Hochsensibilität!
Was heißt das für mein Kind?
In erster Linie mehr fühlen, mehr riechen und schmecken sowie mehr wahrnehmen. Hochsensible Kinder nehmen oft nicht nur Geräusche und Gerüche ausgeprägter wahr, sondern sie (er)leben eigene und fremde Gefühle intensiver.
Laute Umgebungen (Kindergartenalltag oder auch Schule) empfinden sie genauso als Stress, wie auch große Menschenmengen und manchmal sogar jeden Körperkontakt.
Durch das Aufnehmen von fremden Gefühlen sind diese oftmals nicht von
den eigenen zu unterscheiden.
Nicht jeder hochsensible Mensch ist auch hochintelligent, obwohl man auch hierbei von einer Hochbegabung sprechen kann. Allerdings nicht im kognitiven Sinne. Man spricht von einer Hochsensibilität bei ca. 10-15%.
Viele hochbegabte Kinder verfügen auch über eine hohe Sensibilität.
Nach vielen Büchern und Vorträgen zu den Themen Hochbegabung, Hochsensibilität und AD(H)S war es sehr schwer an mancher Stelle eine wirkliche Abgrenzung dieser drei Bereiche zu finden. Viele „Merkmale“ scheinen zu verschwimmen und ineinander zu greifen.
Wenn ein hochbegabter Mensch automatisch mehr Informationen um sich herum aufnehmen kann um sie zu speichern, für ein späteres abrufen und dieser hochbegabte Mensch auch noch eine erhöhte Sensibilität hat und somit eine Vielzahl von zusätzlichen Informationen um sich herum erhält, ist er dann nicht "gezwungen" diese irgendwann auszublenden?
Wenn dieser Mensch aber noch nicht "gelernt" hat welche Informationen wichtig sind und welche nicht blendet er dann nicht (wenigstens für eine Zeit) einfach alle Informationen aus und wirkt somit als Träumer oder als aufmerksamkeitsgestört? Ist dieser Mensch nicht gezwungen Informationen auszublenden und nicht aufzunehmen, um nicht „überzulaufen“?
Was also, wenn man diese drei Bereiche gar nicht trennen kann? Müsste man dann nicht ganz anders in den einzelnen Bereichen vorgehen? Und ist es dann nicht am wichtigsten für diese Menschen zu lernen mit ihrer „Begabung“ umzugehen?
Nur wer die Chance erhält seine Fähigkeiten zu erkennen, lernt sie
zu nutzen und diese nicht als „Handicap“ sieht, kann seine Begabung wirklich als Gabe annehmen und etwas Wichtiges daraus entwickeln. Hierfür braucht jeder Mensch den Raum sich entfalten zu können und durch kleine Anleitungen seinen Weg zu finden.
Die Autorin Birgit Trappmann-Knorr hat sich in ihrem Buch „Hochsensitv – Leben zwischen Hochbegabung und Reizüberflutung“ mit allen drei Phänomenen auseinandergesetzt und auch kritisch in Frage gestellt.
Zitat: „…dass es wohl ADS gepaart mit Hochbegabung geben muss. Dass dies jedoch nicht möglich sein kann, sagt schon der gesunde Menschenverstand. Wer einen Test zur Hochbegabung mit überdurchschnittlicher Bravour meistert, wie es nach allgemeinen Schätzungen nur bei drei Prozent der Bevölkerung möglich ist, kann kein Aufmerksamkeitsdefizit haben. Ein solcher Intelligenztest ist in der Regel an ein enges Zeitfenster geknüpft, sodass hier sogar ein überdurchschnittliches Konzentrationsvermögen vonnöten ist, aber auf keinen Fall ein Defizit!“
Somit kommt die Autorin zu dem Schluss, dass es sich hier vielmehr um ein „unechtes“ ADS in Form einer Hochsensitivität handeln muss.
Kinder und auch Erwachsene mit einer solchen Gabe nehmen eine Vielzahl mehr an Informationen in ihrer Umwelt war (auch sehr kleine und für andere nicht als wichtig eingestuft). Sie können nicht nur kleine Dinge besser hören und riechen, sondern auch fühlen. Somit spüren sie schon beim betreten eines Raumes ob es Menschen gut oder schlecht geht, ob ihnen Abneigung oder Offenheit entgegen gebracht wird.
Diese vielen Eindrücke und Gefühle führen oft aber zu einem Handeln, welches von ihrer Umwelt nicht richtig wahrgenommen wird. Sie wirken oft schüchtern und zurückgezogen, verträumt und auch „arrogant“ in den Augen von Außenstehenden. Durch die Verarbeitung von der Vielzahl an Eindrücken und die ständige Fragen „Warum geht es der Person wohl nicht gut“ oder „Liegt das Verhalten an mir?“ und auch durch das ständige Hinterfragen von Situationen „Wieso ist das jetzt so?“ oder „Was habe ich denn falsch gemacht?“ wirken Hochsensitive Menschen oft sehr langsam in ihren Reaktionen. Bestimmte Situationen werden ständig wieder nachempfunden und kontrolliert oder auch "übersetzt", sodass eine direkte Reaktion gar nicht möglich ist.
Unsere Aufgabe besteht darin, Kindern zu begleiten auf den „richtigen Weg“ zu finden. Ihnen zu zeigen was sie mit ihrer Hochbegabung für eine wundervolle Gabe erhalten haben, ihnen zu zeigen wie wertvoll es ist, so zu fühlen und zu denken.
Wir sollten ihnen helfen diese zu nutzen und damit „umzugehen“, um daraus etwas Kostbares wachsen zu lassen. Hierzu benötigen diese Kinder ein harmonisches Umfeld voller Akzeptanz, um die Kraft für ungewöhnliche und kreative Wege sammeln zu können und diese zu leben.
Die Gaben unserer Kinder braucht Kraft, Wohlwollen, Geduld, Verständnis und viel Energie von allen Beteiligten. Was wir aber dafür erhalten ist ein Leben voller kreativem Denken, ein beschreiten neuer Wege und ein entdecken ungewöhnlicher Lösungen.
Mai 2010
Birgit Ketzenberg